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27.10.2015

quittenlikör

quittenlikör I fräulein text

goldener
aus/blick

#nachbarsgarten

 °



Die Quitte hat sich mittlerweile fest ins Produktregal einsortimentiert. Erst zufällig. Dann bewusst. Das Gold halt. Und ja, es liegt auch vor allem am Dunstkreis. Oder eher Duftkreis. Mein persönliches >goldenes< Bermudadreieck, welches das Unglück in Glück verkehrt. Raum. Wohnung. Nachbars Garten. Und so erfreue ich mich nun seit vier Jahren im Herbst an einer prall gefüllten Tüte Quitten. Ich probierte Speck. Quiche(e). Crumble. Ich ließ sie links liegen – und sie gaben (mir) trotzdem so viel zurück ;)

Oha.

Die diesjährige Ausbeute fiel jedoch genau in (m)eine verst/i/mmte Phase. Unkompliziert sollte es also sein. Etwas Neues. Etwa Schnelles. Mit wenigen Zutaten. Likör! Der zwar noch ein paar Wochen ziehen muss, aber dann . . . gibt es keine Quitten mehr. Deshalb serviere ich ohne abschließendes Urteil trotzdem das Rezept. Für alle, die probieren. Und – wie ich – später studieren. Frisch angemerkt: Gefällt sehr gut – und beschwingt Abende (oder Tage), die eine Dosis Süße brauchen. 

Auf 700 Milliliter Weinbrand, vier (oder fünf) kräftige Quitten auf der groben Seite der Vierkantreibe raspeln. Flaumbefreit und gewaschen. Mit Schale, ohne Gehäuse. Zusammen mit 200 Gramm Grümmelkandis in einem großen Glas versenken. Und zwei Kardamomkapseln. Fertig. Stehenlassen (an einem mäßig warmen Ort). Nach rund sechs/sieben/acht Wochen abseihen, filtrieren und flaschenbefüllen.
Als weitere Variante: Zitronenschale und Zimt. Statt Weinbrand Wodka. Oder Korn. Schön auch Vanille. Was halt so passt zur Qui.

Greift zu.

12.09.2014

so gesehen

oder
anders


Von oben strahlt der Herbst. Schimmert in die Rüschen der kleinen Briocheröcke, leuchtet in den Flaschen die Sonne aus - für die ich vier volle Hände Zitronen aus ihrer Haut schälte. Und dazwischen blitzt wieder einmal Grün in allen Farben hervor. Der Limoncello, (m)eine Premiere, kostet diese momentan im Dunkel aus, bevor er bald in andere Gläser und Hände fließt. Während ich fußwärts blättere. So gesehen.

Wer nippen möchte, löst die Schale von 16 Bio-Zitronen mit einem sparsam arbeitenden Schäler und übergießt diese mit einem Liter Alkohol (95%). Schirmt die Lösung bis zur nächsten Lösung ab vom Licht und wartet. Wartet, wartet, wartet. Mindestens 14 Tage, besser noch 21. Oder längerlänger. Separiert und filtert den Zitronenhol von den entfärbten Schalenstücken und gießt (nach meinem Geschmack) mit einer aufgekochten und abgekühlten - Lösung - aus 800 Gramm Feinzucker auf einen Liter Wasser auf. Füllt flaschenweise ab und stellt diese erneut und für eine weitere Woche dunkel beiseite. Schlürft anschließend eisgekühlt in kleinen Schlückchen dem Sommer hinterher.

Ganz schön stark.
Die gehäuteten Zitronen wurden übrigens von mir ausgepresst und würfelweise eingefroren. Für einen Vorhang zum Beispiel.

Ein zarter Dauerbrenner meiner Sommerküche ist/war der Glasnudelsalat mit einer blättrigen Korianderkrone. Fünfmal bereits so gerührt - oder (ein wenig) anders. Die Lust ist nicht verloren. Im Gegenteil: Sie wird mich bestimmt auch noch durch die Neun und die Zehn an den Löffel treiben.

Zwischen zwei Gabeln kurz ausgeflogen: So schön. So gesehen - durch die Fenster der Orangerie.

Und wieder einmal den >sonntagssüßen< Tisch gedeckt. In kleiner goldener Runde, umfächert von guten Menschen. Sehr gern gesehen. 

Hallo.

21.05.2014

zuhören

Biskuitrolle mit Holunderblütencreme

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*

ganz Ohr:

früher oder später
blüht der Holunder




Biskuitrolle mit Holunderblütencreme

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An einem warmen Sonn(en)tagsmai flüsterte mir das Gartengrün ins Ohr: Holunderblüten. Nur ein Wort – und ich bin reif, denn die kleinen Sterne sagen meinen frühen Sommer an. Den mit der zarten Wärme und der forschen Luft. Den mit den frischen Füßen und den guten Abenden Ach, für mich könnte immer früher Sommer sein. Oder später. Apropos früher oder später: Dieses Jahr hollert es zwar früher als im letzten, doch für die ganz Frühen (wie mich) parkt zum Glück gar fruchtiges Gepäck im Kühlschrank. Bereits in der Dreizehn gepflückt und aromatisch verpfropft, verkonfiführt es nun verpackt in einer flaumigen Roulade aus Biskuit, die bei der Trennung schmackhaft zischt: >Du wirst mich mögen<.

Ohja, und ich mag dich – sehr.

Für eine kühle Rolle also (und 12 Scheiben) mit Holunderblütencreme und Pistazienknack, braucht es trotzdem einen warmen Ofen; vorgeheizt auf 200 Grad O/U. Denn die Basis bildet ein Biskuit. Und bevor ihr jetzt ehrfürchtig die Zeilen über(sc)rollt: So eine Roulade bekommt jede*r hin. Nicht nur sonntags. Wirklich – nur ran ans Gebäck! Dafür vier Eier trennen und das Weiß mit einer Prise Salz zu Schnee anschlagen. Nach ein paar schaumigen Umdrehungen 25 Gramm Puderzucker einrieseln und flott zum Berg aufmixen. Überkopfprobe, wer sicher gehen möchte. Das gelbe Quartett mit 75 Gramm Feinzucker und einer Messerspitze Vanille dick und cremig (!) aufschlagen. Ist das geschehen, den Schnee über der Creme auftürmen und mit 75 Gramm Dinkelmehl (Typ 630) – gemischt mit einem halben Teelöffel Backpulver – besieben. Locker mit einem Besen unterheben; ein flaumiger Teig mit luftigen Bläschen soll entstehen. Auf ein mit Backpapier belegtes Blech fließen lassen und gleichmäßig verstreichen, in den Ofen schieben und 10 bis 15 Minuten lang zu einem goldigen Eck heranzüchten. Sofort auf ein mit Zucker bestreutes Geschirrtuch stürzen, das Papier abziehen und zusammen mit dem Tuch von der Längsseite her aufrollen. Das sichert die Form und beugt späteren Bruchstellen vor. In Ruhe lassen.

Für die Füllung 250 Gramm Quark (20 %) mit sechs großzügigen Esslöffeln Holunderblütensirup glattrühren. Abschmecken und nachsüßen bei Bedarf; eure Zunge gibt den Takt vor! Vier Blätter Gelatine in kaltem Wasser einweichen, ausdrücken, in einem Topf gemeinsam mit zwei Esslöffeln des Kaltwassers zart erwärmen, auflösen. Mit ein/zwei Löffeln Holunderquark akklimatisieren, um doofe Klümpchen fernzuhalten, dann zügig unter die Masse rühren. Kurz zur Gelatine: Ich bin kein großer Fan der Blätter und auch kein großer Fan schnittfester Cremes, in diesem Fall finde ich die schaumigporöse Konsistenz dank Tine jedoch ideal – und der Rollenform fröhlich zugetan. Fühlt euch dennoch frei, zu experimentieren – sei es mit Agar Agar oder auch ganz ohne. Die Creme kühlstellen und anziehen lassen. Auf halbfester Strecke 250 Gramm geschlagene Sahne unterziehen.

Nun den Biskuit entrollen, die Innenfläche mit Holunderblütengelée saftig bestreichen – in meinem Fall aus dem bewährten Glas mit Sekt –, die Quarksahne aufglätten, eine Handvoll ungesalzene und gehackte Pistazienkerne aus selbiger fallen lassen, und den Bi wieder aufrollen. Das ist der trickreichste Part an der Rolle und erfordert etwas Fingerspitzengefühl. Habt ihr zu viel Creme, nehmt sie beim finalen Überschwung mit einem Löffel ab. Sie schmeckt auch pur und gekühlt zu gut. Die Rolle auf der Naht absetzen und (auf einer Platte) runterkühlen lassen. Unbedingt geduldig sein. Vor dem Servieren mit Puderzucker bestäuben und messerscharf in Scheiben schneiden. Wer mag, setzt noch Pistazienschmuck aufs Haupt.

Eine Geschmacksverbeugung meinerseits – und bereit für die nächste Rolle.

Womit füllt ihr gerne?
Ich höre (zu).

17.06.2013

hollerlei

hollerlei I fräulein text


Im 
goldenen Teig
versteckt:

holde Blütenlöckchen

*



hollerlei I fräulein text

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Sie stehen in ihrer Blüte. Endlich! Vorhang hoch für den Holunder. Warten ist (nicht immer) meine Stärke. Ungeduldiges Fingerspitzenklopfen taktet sich durch den Tag. Wann ist er denn soweit? Vor zwei Wochen bereits beäugte ich meinen Holunderbusch des Vertrauens. Bewappnet mit einer Spanholzkiste war ich guten Mutes - doch: Fehlanzeige. Ganz grün war er noch hinter den Dolden. Es sonnte ja auch nicht, nur das Aroma kitzelte vorwitzig auf der Zunge. Am Wochenende dann reckten sich mit den Sonnenstrahlen auch die Blüten in die Höhe. Wie unlängst die Löwen kommen auch die Dolden aus dem Tal. Auf meinen >Sonnenhang< ist Verlass. Das Gefühl in mir, er könnte nicht mehr wiederkommen, zwickten die Kuppen fleißig. Blüten über Blüten über Blüten - ab. 

Da lagen sie nun in meiner Küche. Wie einst Zweins - nur plus Eins. Es wurde aus ihnen ein Dreierlei. Ein Dreierhollerlei. Premierend mit den plustrigen Pfannenküchlein. Lauter Abzweigungen im Teiginneren versteckt. Der Duft zieht durch die Decke, kleine Adern schimmern zärtlich durch. Kräftige Zähne durchbeissen das Grün. Puderzucker stärkt den Holunder. Das mache ich noch einmal. Ich freue mich darauf - wenn vielleicht auch erst im nächsten Jahr. Ich glaube, ich kann tatsächlich warten.

Auf euch, ihr acht Küchlein! Fabriziert auf der Basis der liebsten fluffigen Fladen (nach Jamie O.). Dafür 3 große Eier trennen und das Weiß mit einer Prise Salz zu gutem Schnee hochziehen. Zur Rast schicken. Das Gelb in einer Schüssel mit 120 Gramm Mehl (vorab mit einem hügeligen Teelöffel Backpulver vermischt), 140 Milliliter Milch und einem Esslöffel Rohrohrzucker zu einem zähen Teig verquirlen. Mit dem Besen den Schnee unterziehen. Außerdem zwei Händevoll Holunderblüten vorsichtig versenken. Bitte: Die straßenfern gesammelten Dolden vorher kurz (!) ausschütteln. Wirklich nur kurz, denn der aromatische Blütenstaub darf nicht verloren gehen. Mit einer Schere die festen Stiele abschneiden. Was bleiben soll, sind Sternchen mit nur feinen Ästen.

Eine heiße butterschmalzige Pfanne achtmal beschöpfen. Die Küchlein von beiden Seiten goldbräunen. Auf den Teller, auf den Tisch. Mit Puderzucker einstäuben - und wer's süßer mag: ein paar Rohrohrzuckerkristalle aufrieseln. Optional: ein Klecks Crème Fraîche. Ich habe unbehäubt zugebissen.

Die zweite Ladung goß ich mehrjährig erprobt in Gläser. Gelée mit Sekt wurde es wie gehabt. Im Geléesee taumelt jeweils eine kleine Dolde. Sieht schön aus. Eventuell mit einem Holzstäbchen in die richtige Position bringen. Und als Drittes: Sirup. Der zieht jedoch noch an. Fünf Tage im großen Schnappverschlussglas. Mit Zitronenrädern und massenweise Zucker. Hut ab! Bei Erfolg wird das Rezept nachgereicht. In der Zwischenzeit hilft: Abwarten und kaltes Wasser trinken. Soviel wieder zur Geduld.

Ich habe mir sagen lassen, es sonnt kräftig. 
Ihr findet mich im Schatten.

Nachtrag: Der Sirup schmeckt formidabel. Süß und klebrig, gleichzeitig mundend holundrig. Die Formel dafür lautet: 35/40 Blütendolden in einem Glas versenken. Zwei Kilogramm Zucker in zwei Kilogramm Wasser heiß und köchelnd auflösen. Anschließend 25 Gramm Zitronensäure hinzurieseln (Habt ihr haltbare Erfahrungen ohne?) sowie die Scheiben zweier Bio-Zitronen. Lauwarm abkühlen lassen. Über die Dolden gießen. Verschlossen drei bis vier Tage ziehen lassen. Abseihen, filtrieren, (dreiminütig sprudelnd aufkochen), in sterilisierte Flaschen füllen. Voilà.

27.05.2013

schnee (und fast weiß)


Die richtige
Position finden.

O

o
                                                                       o



Unterwegssein. Nicht ganz weit weg - dazu fehlt mir dann doch das intensivgeimpfte Fernweh-Gen - aber zumindest so weit, dass neue Bilder, Stimmungen und Gerüche Kopf und Herz füttern. Ich bin gerne mit dem Auto unterwegs. Einfach fahren, einfach los. Mich ungeleitet leiten lassen - und gehöre dabei noch zu denjenigen, die mit grober Orientierung auf die Straße gehen. Öfter mal abfahren. In Städten bin ich selten mit Stadtplan unterwegs. Einmal eingeprägt, ist der Sinn sehr ausgeprägt. Ein Wunsch, der seit vielen Jahren wächst, ist eine Deutschlandreise - quer durch, oben, unten und im Kreis. Plätze und Landstriche aufspüren, die mir bislang verborgen waren. Einmal alle >braunen Schilder< anfahren. Ja!

Und jetzt die Kurve. Letzter Stopp: Bad Neuenahr. Ich liebe es, in Kleinststädten und Kurorten auszusteigen. Es liegt ein so unglaublich verschlafener Atem über den Kernen. Und egal welches Ziel, in jedem Ort suche ich nach einem Café. Oft und gerne nach einem richtig altmodischen Café. Mit Gardinen und Sahnerosen auf den Torten. In dem Fall: >Konditorei Irmgartz<. Zwei Maikäfer aus Schokolade krabbelten in die Tüte - und auf den Teller für unterwegs legte sich ein Stück Eissplittertorte. Eissplittertorte! Ich bin verliebt in unbekannt. In halbgefrorene Sahnebaiserschichten, in Schokolade und Krokantkrümel, in den Knack zwischen den Zähnen. In die lächelnde Situation, wenn das Stück mit jedem Gabelstoß fast von der Pappe fliegt. In dieses Gefühl, etwas Neues kennengelernt, ein weiteres Wegstück gefunden zu haben. Gehört übrigens für mich definitiv auf so ein braunes Schild.

Wieder eine Kurve: Zuhause wurden sofort Eiweiß getrennt. Für Baisers - in weißer Voraussicht auf den Feiertag. Und die andere Hälfte, die Eigelb, suchten Verwendung. Eierlikör! Gibt es etwas, das noch mehr Kaffeekränzchen ist? Ich sage: nein. Und ich sage: der Eierlikör ist groß - und tendenziell schneeweiß. Oder schneegrau. Jedenfalls ganz wie ich es mag, denn mit der Farbe Gelb habe ich es nicht so. Orange genotet, gut im Fluss, aber nicht zu zäh. Einen Schleier auf das Glas legend. Und kaltgerührt. 

Aus sechs frischen (!) Bio-Eigelb (Größe M). Diese zusammen mit 150 Gramm Puderzucker und dem Handmixer fünf Minuten (mindestens) zu einer fast pastösen hellcremigen Masse aufschlagen. Dazu streut: Orangenzeste von zwei Früchten - und Vanillemark einer Schote. Als Flüssigkeit: 150 Milliliter frisch gepresster Orangensaft sowie Kondensmilch. Eine kleine Dose mit 170 Gramm Gewicht und Milchmädchen, 130 Gramm. (Ich habe es mit Sahne ebenfalls versucht, fand die jetzige Mischung jedoch besser.) Einstrahlen, vorsichtig - und immer rührend. Außerdem: 350 Milliliter guten Weinbrand. Sorgt trotz Farbe für diese Farbe. Ihr seht es ja. In Ruhe lassen - und ziehen. Zwei Stündchen. Nach der Pause durch Sieb (!) und Trichter dem Flaschenhals einflößen. Füllt insgesamt knapp einen Liter. Abnippen, möglichst zügig und streng gekühlt. Innerhalb von vier bis sechs Wochen sagt Tim, der die frohe Quelle ist.

Eissplittertorte gibt es später (dazu). Ich nippe noch - und bin dabei.

Immer wieder die richtige Position zu finden.
Darum geht es.

Der Abend sonnt.

Konditorei Irmgartz * Hauptstraße 103 * Bad Neuenahr-Ahrweiler

05.05.2013

löwen

 
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Für den Honigzahn.



Vorgestern habe ich eine Wiese leergepflückt. Kopf um Kopf abgezwickt die gelben Sonnenmähnen. Schon so lange wollte ich ihn probieren. Den Sirup, den Honig, den Süßen, den Löwen. Letztes Jahr war ich ein wenig zu spät, da zogen die Fichtenwipferl ein. Aber diesmal ganz unverhofft - wie es so oft im Leben ist -, durfte ich am Sonnenhang in die Knie gehen. Das war übrigens noch die leichteste Arbeit. Als abendliche Meditation dann: sich wiederholendes Enthüllen. Gut 300 gelbe Blüten mussten aus ihrem grünen Kelch befreit werden. Nur die feinen Spitzen sollen (so las ich es) sich in süßen Sirup verwandeln. Alles Grün muss fort - diesmal. Denn die Milch im Stängel bittert.

Für zwei große Gläser und ein kleines braucht's 200 Gramm Löwenzahnblüten (wie gesagt nur die feinen gelben Blätter; das bedeutet bestimmt 300 Köpfe. Und am besten natürlich straßen- und hundewiesenfern!). Diese zusammen mit 1 Liter Wasser in einem großen Topf aufwallen. 5 Minuten köcheln. Runterkühlen und tuchbedeckt ziehen lassen. Am besten über Nacht. Schläft sich halt am besten. Am nächsten Morgen nun: Den Pflanzsee durch ein Leinentuch seihen, gut ausdrücken, es fabriziert sich ein fester Blütenball in den Händen. Die aufgefangene Flüssigkeit zusammen mit dem Saft einer Zitrone, dem Mark einer Vanilleschote und 1 Kilogramm Rohrzucker (ja!) sirupartig einkochen. Leise mögen es der Zahn und seine Vitamine. Schmale Flamme, die aber dauerhaft. Eine Stunde bestimmt.* (Ich gebe zu, ich habe am Anfang kräftig aufgedreht, denn wer weiß, ob sie wirklich noch zählen - die Vitamine im Mehr-als-Zuckerbad.) Notiz zur Konsistenz: Klebt kalt im Glas nach. In sterilisierte Gläser eintrichtern. Heiß verschließen - und im Sonnenlicht den Vanillepünktchen entgegenstrahlen. Übrigens auch ein paar Schwebstoffen. Wer einen richtig klaren Blick bevorzugt, filtert vor dem Abfüllen erneut.

Glänzt golden.
Schmeckt süß - zuckerzahnsüß.

Verträgt sich mit Brot und Pfannkuchen, klassisch mit Tee - und vielleicht auch als wilde Note im Frohstück. Wer weiß es schon, wen er noch alles anbetet - der Löwe. 

Oder am Ende doch nur sich selbst ... ?

Sonnso.

* Dabeisein und in den Kochtopf luschern ist die Devise. Es könnte kürzer sein bei euch - oder auch (wesentlich) länger.

05.06.2012

wipferl

maiwipferlsirup I fräulein text

Siruprührer, Nadelpflücker, Wipfelduftatmer – hier ist etwas für euch. Saft aus grünen Nadeln. Maiwipferlflüssigkeit. Angesteckt von Cousines Nadelbaumliebe hangelte ich mich hoch zu Nachbars Fichte und knipste mit Erlaubnis (!) die jungen Triebe ab. Drei Hände voll für eine Tulpe voll. Für den Geschmack des Waldes, für ein bischen Gold am Frühstückstisch. Ein Spiegel und doch nicht durchschaubar ist die große Pfütze. Gefällt.

Mittlerweile ist der Juni unter uns und die Triebe sind vorangegrünt. Gerade eben vergewisserte ich mich, ob ihr sie noch abstreifen könnt, denn nur aus den wirklich jungen Spitzen lässt sich Gold gewinnen. Noch geht's! Und wie das hier geht, sei ebenfalls verraten: Drei Hände Grün braucht es. Kurz duschen und dann ab in einen Topf, knapp mit Wasser bedecken. Aufkochen – die Drei ist auch diesmal die Zahl. Dreimal hoch und runter, bis die Spitzen erblassen und ein milchiger Sud entsteht. Dann wieder die Drei: Drei Tage an einem kühlen Ort stehen lassen (bedeckt und inklusive der Spitzen). Anschließend abseihen, Flüssigkeit fangen und abmessen. Mit Kandiszucker einköcheln: 1:1. Am besten mit braunem, das verstärkt die schöne Farbe. 30 Minuten mindestens, durchaus auch länger, bis es sirupartig wird. Heiß in (sterilisierte) Gläser abfüllen.

Schmeckt auf Müsli, schmeckt zum Streifen, schmeckt auf >Vinschgauer Fladen<. Schmeckt von Fichte oder Tanne. Erinnert an Hustenarznei im schlechtesten Fall, im besten einfach nur an Wald und Freiheit.

27.05.2012

limonade


zitrone minz limonade I fräulein text
Komm lass den Augenblick durch Deine Finger fallen
Es ist nie genug und doch zu viel von allem
Dreh die Zeit zurück, wir lassen Korken knallen
Und das Jahr beginnt noch mal
Alles auf Null :: Alles neu :: Alles andere ist vorbei
Ab heute wird wundervoll
Alles auf Null :: Alles neu :: Alles andere ist vorbei
Es wird gut, es wird groß, es wird gold


Darauf ein Glas: Limonade. Mit Zitrone, mit Limette, mit Minze, mit Rohrzucker. Mit Schwung, mit Vergnügen, mit Sonne im Rücken, mit Grünrauschen um mich herum. Gestern. 

Und heute: Sonne, wo bist du?

Einfach weitertrinken.

Aus der großen Kanne namens Leben. Dafür: 60 Gramm braunen Zucker in einem Liter (Mineral-)Wasser verrühren, zusammen mit dem Saft einer sehr großen Zitrone und dem dreier Limetten. Eine ordentliche Handvoll Minzeblätter waschen und im Mörser zu einer Paste massieren. Ebenfalls einrühren, das ergibt die kleinen tanzenden Punkte in der Limonade. Dann noch: lose Blätter als Schmuck. Gut durchkühlen - und später mit Eiswürfeln auftischen. Schlückchenweise.


Und Du musst mir einfach glauben,
Du wirst allen den Atem rauben 

(aus: >Alles auf Null< von Anna Depenbusch

Die >Süßen< der Feiertage sammelt Katrin ein. Wir freuen uns darauf.

(Limonaden::inspirations::quelle: Photisserie)

25.04.2012

rhabarber

rhabarbersirup I fräulein text
rhabarbersirup I fräulein text
rhabarbersirup I fräulein text

Sie sind mir fast die liebsten – die Batik-Stangen mit der grünen Charleston-Feder. Sie tanzen in meinem Mund, prickeln, wirbeln, machen genussvolle Drehungen und zaubern wunderschöne Farbverläufe: von Aprikose über Lachs und Koralle. Alles im Rhabarber. So genial pink ist nur der junge, aber für ein saftiges Flaschenrot reicht es noch immer. Sirup kochte ich ein: superzuckrig. Aufgegossen mit Sprudelwasser und Würfeln aus Eis eine schöne Schorle. Uhlala im Ohr. Heidelbeerlikör auf den Wangen (Mercimerci). Farblich passender Glimmerflusen und Staub auf dem Tisch.

Wie das geht? Stangen sammeln, sortieren, waschen und in Stücke schneiden. Ich schäle übrigens den jungen (!) Rhabarber nicht – oder selten –, sondern kappe nur die Enden. 750 Gramm sollen übrig bleiben. Diese kippe ich zusammen mit 375 Milliliter Wasser und 300 Gramm feinstem Zucker sowie einem Spritzer Zitrone in einen großen Topf. Koche auf – und lasse köcheln bis es musig wird. Etwa 15 Minuten. Dann: Filtrieren und sorgsam durch ein feines Sieb streichen – die Pulpa soll in diesem Fall draußen bleiben. Ergibt so >pi mal Daumen< (fast) eine große Flasche. Von dieser wurde bereits abgetrunken. Perlt in Mineralwasser und bestimmt auch in Sekt.

Schmeckt es.

(Die Inspiration sprudelte über den Teich von 3191 Miles Apart.)
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25.11.2011

vorfreude

eierlikör I fräulein text

Nippen, wippen, behutsam sein, sich manchmal aufplustern und vorfreuen - es geht nur um das Glück. Das Wochenende naht, ich fiebere ihm entgegen. Zeit mit Freunden, für Freunde, mit schneeweißen Gipfeln, der Stern über mir, die Wichtigen am Tisch. Serviert wird - vielleicht schon eine Scheibe Stollen, auf jeden Fall Kokosküsse und das >Sonntagssüß<, ganz im Zeichen des ersten Advents. Ich baue auf euch. Gesammelt wird diesmal bei mir. Apropos bauen: Wer auf die Schnelle noch einen Kalender bauen möchte, holt sich die Waldtiere nach Hause. So eine schöne Umsetzung. 

Der Schluck im goldenen Glas ist übrigens Eierlikör. Süffiger Schmelz auf der Zunge - mit Orangennote. Seit ich im Klippkroog daran schürfte, ging er mir nicht mehr aus dem Kopf. Der erste Selbstversuch fand diese Woche in der Küche statt: Mhhhmhhmhh. Für alle Nachmacher folgt das Rezept. 

Für den Likör werden mindestens 5! Minuten mit dem Mixer zusammengerührt: 6 (Bio-)Eigelb und 150 Gramm Puderzucker, die zusammen eine dickliche Verbindung eingehen sollen. Mit in die cremige Masse schleichen sich das Mark einer Vanilleschote und der Abrieb einer (Bio-)Orange. 125 Milliliter Milchmädchen und 125 Milliliter Sahne sowie 150 Milliliter frisch gepresster Orangensaft und 350 Milliliter Weinbrand sachte zugießen und mit einem Teigschaber untermischen. Ziehen lassen (gut 2 Stunden), dann durch ein feines Sieb seihen und mit Hilfe eines Trichters in (sterilisierte) Flaschen oder Gläser füllen. Nippen. Immer wieder nippen.

Ich wünsch euch viel. Bis Sonntag.

(Rezeptquelle: Tim Mälzer)