Sonntag, 5. Mai 2013

löwen

 
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Für den Honigzahn.



Vorgestern habe ich eine Wiese leergepflückt. Kopf um Kopf abgezwickt die gelben Sonnenmähnen. Schon so lange wollte ich ihn probieren. Den Sirup, den Honig, den Süßen, den Löwen. Letztes Jahr war ich ein wenig zu spät, da zogen die Fichtenwipferl ein. Aber diesmal ganz unverhofft - wie es so oft im Leben ist -, durfte ich am Sonnenhang in die Knie gehen. Das war übrigens noch die leichteste Arbeit. Als abendliche Meditation dann: sich wiederholendes Enthüllen. Gut 300 gelbe Blüten mussten aus ihrem grünen Kelch befreit werden. Nur die feinen Spitzen sollen (so las ich es) sich in süßen Sirup verwandeln. Alles Grün muss fort - diesmal. Denn die Milch im Stängel bittert.

Für zwei große Gläser und ein kleines braucht's 200 Gramm Löwenzahnblüten (wie gesagt nur die feinen gelben Blätter; das bedeutet bestimmt 300 Köpfe. Und am besten natürlich straßen- und hundewiesenfern!). Diese zusammen mit 1 Liter Wasser in einem großen Topf aufwallen. 5 Minuten köcheln. Runterkühlen und tuchbedeckt ziehen lassen. Am besten über Nacht. Schläft sich halt am besten. Am nächsten Morgen nun: Den Pflanzsee durch ein Leinentuch seihen, gut ausdrücken, es fabriziert sich ein fester Blütenball in den Händen. Die aufgefangene Flüssigkeit zusammen mit dem Saft einer Zitrone, dem Mark einer Vanilleschote und 1 Kilogramm Rohrzucker (ja!) sirupartig einkochen. Leise mögen es der Zahn und seine Vitamine. Schmale Flamme, die aber dauerhaft. Eine Stunde bestimmt.* (Ich gebe zu, ich habe am Anfang kräftig aufgedreht, denn wer weiß, ob sie wirklich noch zählen - die Vitamine im Mehr-als-Zuckerbad.) Notiz zur Konsistenz: Klebt kalt im Glas nach. In sterilisierte Gläser eintrichtern. Heiß verschließen - und im Sonnenlicht den Vanillepünktchen entgegenstrahlen. Übrigens auch ein paar Schwebstoffen. Wer einen richtig klaren Blick bevorzugt, filtert vor dem Abfüllen erneut.

Glänzt golden.
Schmeckt süß - zuckerzahnsüß.

Verträgt sich mit Brot und Pfannkuchen, klassisch mit Tee - und vielleicht auch als wilde Note im Frohstück. Wer weiß es schon, wen er noch alles anbetet - der Löwe. 

Oder am Ende doch nur sich selbst ... ?

Sonnso.

* Dabeisein und in den Kochtopf luschern ist die Devise. Es könnte kürzer sein bei euch - oder auch (wesentlich) länger.

Kommentare:

  1. oh, wie fein das klingt. ich werde mich daran versuchen.
    danke!

    ich wünsche ich dir einen sonnigen sonntag!

    herzlich
    i.

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  2. bei mir schläft seit gestern ingwer mit hefe
    bin so gespannt :)

    gruss von löwin zu löwin

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  3. die löwen haben sich bei mir mit den wipferln gemeinsam ein bad gegönnt - und harmonieren sehr fein miteinander. leider versehentlich unhoniglich geliert (weil ulma so schlau: gelierhilfe für weniger zucker, so der gedanke - oh wunder, dann wird es gelee ... so die ernüchterung). vielleicht finden sich noch ein paar ungemähnte löwen heute für einen neuen versuch, sonntagshoffen.
    liebe grüße!
    °ulma

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    1. ha ulma, tauschen wir? insgeheim hoffte ich ja auf gelee. oh wunder ;-)

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  4. da hieR nuR fahRzeuge beobachtende stadtlöwen zu finden sind, hoffe ich auf waldlöwen in zwei wochen. bis dahin fühRe ich miR die faRbenpRacht deineR zu gemüte. und tRäume von löwenbändigeRn.
    sonntagsgRüße. käthe.

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  5. feinste küchentätigkeiten mit allerfeinsten bildern illustriert, liebe nina. deine köslichkeiten sind ja nur mit gold aufzuwiegen, wenn überhaupt. und für mich hab ich festgestellt, dass mir für solch ruhiges, abwartendes hantieren und natur genießen momentan die innere ruhe so gänzlich fehlt - wie schade...
    liebst birgit

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    1. ... ein bisschen unruhe rotierte ehrlich gesagt auch in mir. der probierwunsch überwog allerdings für einen moment. und das glück, zwei helfende hände mehr zu haben ;-)

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  6. Wow, das wusste ich gar nicht. Mir gefällt, wie du nicht einfach nur die Dinge aufzählst, sondern wie schön du sie umschreibst.

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  7. und das, wo ich vorhin an einem großen gelben rasenfeld voller löwenzahn vorbeigekommen bin * und doch wäre ich nie drauf gekommen, dass sich dieser so toll verarbeiten lässt, werde nun fernab der stadt ein "unbehandeltes" feld aufsuchen müssen, aber die mühe scheint es wert zu sein - wundervoll kommen deine bilder, deine zeilen und dein resultat daher, lg julia

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  8. ja, das will ich wohl auch versuchen...vor dem Haus eine Wiese mit Löwenzahn ( bayrisch übrigens die Milchscheckerl) soweit das Auge schauen kann...und nach deinem Post fiel es mir wie Schuppen von den Augen...Liebste Grüße von Uli, der Kramerin

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  9. Den Löwenhonig liebe ich. Mein Rezept habe ich aus einem hübschen Heilpflanzenbuch - was dem deinen Rezept sehr ähnlich ist!
    ...schönen Sonntag, Nina

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  10. Mmmhhh... Eine tolle Idee.
    Sicher faszinierend anzuschauen.

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  11. n i n a.
    wie das passt zu meinem heute
    morgen wird das süße kilo besorgt
    und dann gepflückt

    auf die fichtenwipfel hinterm haus wird auch schon sehnsüchtig gewartet

    s o s u e s s.

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  12. wieder ein kulinarisches stück erinnerung, was hier auflebt. nur die vanille fehlt, ist aber eine tolle ergänzung, die ich meiner mama weitergeben werde. liebe grüße, wiebke

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  13. ;) Haben wir heuer auch schon gemacht, und weil so viele kosten wollten doppelt zum Verschenken. Kindheitserinnerung pur! Wenn man übrigens gleich mit dem scharfen Küchenmesser auf die Wiese zieht, erspart man sich das nachträgliche Rausschnippseln aus dem Grün. Wir hatten in Windeseile diesmal eine Riesenschüssel gelb duftendes Gold.
    Alles Liebe
    Dania

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    1. danke dania! klassischer anfängerfehler würde ich sagen ;-) vor allem, da sie am abend auch nicht mehr ganz so "offen" waren ... wird beim nächsten mal beherzigt :)

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  14. eine richtige fleißarbeit! aber wenn es sich lohnt, dann genießt man so richtig das fertige produkt!

    viel spaß beim schlemmen wünscht dir michèle

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  15. es klingt so toll! ich muss eine wiese suchen und mich über die blüten beugen! lg, éva

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  16. ni, in der achten klasse, da trug ich meine geliebte cordhose. graubraun mit schlag. und da hatte ich ein landwirtschaftspraktikum. da mussten wir auf den ersten mai für den bauern (der nach mond und anderen rhythmen gärtnerte) unmengen an löwenzahn pflücken. das war damals nicht unbedingt wildromantisch, wollten wir doch viel lieber an der dorftelefonzelle schlange stehen und sehnsuchtsvolle gespräche führen. und ich war untröstlich über die vielen braunen flecken von den löwen unten am schlag. sie gingen nie mehr raus. vielleicht kann ich mich irgendwann wieder mit ihnen versöhnen ;)

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    1. oh. ein zahntrauma der anderen art, julie! ich fürchte, der löwe hat bis heute nicht dazugelernt ;-)

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  17. was ganz anderes:) wir haben jetzt schon mehrfach deine rugelach gebacken und die sind hier schwer gefragt!wir haben varianten mit nutella/ quittengelee gemacht. grüße aus dem regnenden berlin,anja

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    1. wie schön! und: quitte bleibt im kopf! danke, anja.

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  18. mhh
    die löwenköpfchen wurden und werden so sehr geliebt
    so viel sie auch auf weiße sommerkleider und blusen fleckten
    ich halte ausschau nach einer hunde/stadtfernen wilden wiese.
    dann wird klebriges süß gekocht.

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  19. ja. liebe nina. letztens noch las ich über den goldenen in einer zeitschrift und würde ihn seither auch so gerne einmal probieren! deine fotos sind so schön. danke dafür.

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  20. Hach. Löwenzahnsirup. Ich mag ja auch den Salat so. Das sieht so spannend aus. Und wie immer so schön fotografiert, festgehalten, beschrieben.

    Danke für den Ort. Und alles Gute Dir geschickt.

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  21. Letztes Jahr hab ich die gelben Blütenfäden einfach mit Honig gemischt. Dieses Jahr also vielleicht der Test, ob der Eigengeschmack genug Honiggeschmack ergibt. Gibt er?

    Herzlich, Katja

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    1. ehrlich gesagt ist mein löwe vordergründig süß, mehr wie ein sirup. eventuell müsstest du für den honiggeschmack noch mehr mähnen köpfen ...

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  22. sag, hast du denn dem loewenzahnwein auch schon zeit gewidmet? ich frage mich ob herr b. auch dein herz huepfen laesst?

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    1. ach rike, der gedanke an ihn läuft mir immer hinterher. ich bin eine so gnadenlose stimmungsleserin: brauche ruhe, das richtige wetter, den richtigen ton des lebens um mich herum und das gleichgewicht in mir. all das war noch nicht - aber ich glaube, ich werde ihn mögen. bestimmt sogar :)

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    2. das verstehe ich. sehr sogar. habe ich mir doch dieses jahr nach einer langen unruhephase das erste mal wieder zeit fuer lektueren genommen ... oder besser 'nehmen koennen' ... es wird dich umarmen wenn du soweit bist

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  23. mhh lecker... ich habe letztens löwenzahngelee gemacht..
    mit gelierzucker und etwas zitronensaft, aber sonst ganz ähnlich.

    allerdings ein riesen aufwand, zumindest das löwenzahnblätter rauspuhlen.

    liebe grüße von den maulwurfshügeln,
    julia

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Ich danke - und freue mich :)