Dienstag, 26. Juli 2011

(wieder) zuhause

Antwerpen. Oben und unten.
Copyright. MoMu.
Da bin ich wieder. Zurück aus fremden und doch bekannten Gefilden. Ich war in Antwerpen, zuerst - und dann noch kurz an der geliebten See. Antwerpen ist ein tolles Ziel, finde ich. Meine recht regelmäßigen Besuche begannen vor zehn Jahren. Es war die Mode, die mich dort hinführte, und es noch immer tut. Die Absolventen-Schauen der Royal Academy damals und das ModeMuseum heute. Diesmal mit: >Unravel<. Damit wären wir auch schon in "meinem" Viertel rund um die Nationalestraat. Ein kleiner Radius, sicherlich nur ein Ausschnitt dessen, was Antwerpen an Schätzen zu bieten hat. Immer wieder gern bin ich dort trotzdem. 

Gleich um die Ecke des MoMu (mit dem angrenzenden Buchshop Copyright, der aktuell leider in der Sommerpause weilt), entdeckte ich ganz neu einen meiner deutschen Lieblinge Rundholz, in dessen Schaufenster mich eine überdimensionale Sitzskulputur begeisterte und ein wahnsinnig schönes Portemonnaie - ebenfalls aus Deuschland - von Wolfgang Riebesehl. Soviel zum Thema belgische Mode. Die findet man dafür bei Walter, in der Garage. Über den wiederum es ab September eine große Retrospektive im ModeMuseum gibt. >Dream the world awake.< So schließt sich der Kreis.

Zu den Rosinenquadraten der Bakkerij Goossens zieht es mich auch ein jedes Mal - selbst wenn ich, wie am Samstag, dafür im Regen Schlange stehen muss. Rosinen verbacken in herzhaftem Roggen. Köstlichst. Apropos köstlich. Auf der Klosterstraat diesmal neu entdeckt: ra. Mode, Bücher und Küche. Ein bisschen skurril, so wie ich es mag. Dort verspeiste ich Lavendel-Polenta mit Nektarinen und Peccorino. Richtig gut. Fotos nicht erlaubt - auch nicht auf Nachfrage. Oder dann erst recht nicht. Geknipste Einblicke gibt es aber trotzdem hier

Anschließend einmal Richtung Schelde laufen - und diese im Untergrund überqueren. Oder einfach nur mit der alten hölzernen Rolltreppe in die Tiefe fahren und den nussbraunen Farbton auf sich wirken lassen. Form, Farbe und Fliesen des Sint Annatunnels erinnern mich irgendwie an ein Schwimmbad. Ich mag es dort.

Sonst noch gut: Brot und Kuchen aus der Mini-Bäckerei Mimosa, Limonade süppeln im Caffè Internazionale und spanische Schuhe von Chie Mihara sowie andere gute Dinge bestaunen bei a.puur.a. Zur Orientierung empfehle ich übrigens die Antwerp Fashion Map. Kleine zwei Euro und großer Überblick!

a.puur.a * Kammenstraat 89 // Bakkerij Goossens * Korte Gasthuisstraat 31 // Caffè Internazionale * Volkstraat 21 // Copyright * Nationalestraat 28a // Mimosa * Nationalestraat 105 // ModeMuseum * Nationalestraat 28 // ra * Klosterstraat 13 // Rundholz * Steenhouwersvest 46 // Walter * Sint Antoniusstraat 12

Gruppen. In der Stadt und am Strand.
Am Abend ging es schnurstracks an die holländische See. So war zumindest der Plan. Aber Pläne funktionieren meistens nicht. Aus den 90 Kilometern nach >Zeeland< wurde gut das Doppelte und aus den Wolken Regen. Strömender Regen. Der hielt mich jedoch nicht ab, trotzdem an die Küste zu fahren, denn das Meer wollte ich sehen, das unendliche Glück. Grau in grau an diesem Samstagabend rollte das Auto der See entgegen. Vrouwenpolder - Stopp. 

Eine spontane Nacht auf dem Campingplatz mit dem Ohr am Meer. Eine >Pina Colada< auf das neue Lebensjahr und am sehr frühen Sonntagmorgen der Strand. Und jetzt muss ich mal kurz ein bisschen kitschig werden, aber als ich da stand am Meer, hat der Wind alles mitgenommen. Sämtliche Gedanken. Nur ich, ganz pur. So fühlt sich Freiheit an. Hätte ich gekonnt, ich hätte mich eingenistet in ein solches Häuschen auf Stelzen. Jeden Morgen der Blick auf das Wasser. Auf das so unfassbar glücklich machende Wasser. Verdammt.

Was am Morgen noch so trübe schien, wurde später richtig gut. Der strahlenden Sonne verdanke ich meinen ersten Nasenspitzensonnenbrand des Jahres. Sommer. Sommer in Veere - wie vor 15 Jahren. Mit >Appeltaart< und Tandem fahren gegen den Wind. Danach Domburg. Von oben auf die Badehäuschen sehen, während die Wellen an den Strand springen. Eigenwillige Panna-Cotta-Kreation verspeisen im Domburgsche Bier en Melksalon. Nebenan bei Mondriaans >Perensap uit Zeeland<  und >Peelander Framboos< - Himbeerbier - kaufen.

Weiterfahren nach Dishoek, bunte Häuschen im Sonnenglitzer bestaunen - und die Kamera im Auto vergessen. Ich hätte sie gerne eingefangen die sonnigen Momente - aber sie waren zu kostbar, um sie einzutauschen gegen den Weg zurück über die mächtige Düne. Augenblicke einatmen ohne Knipser, in der Hoffnung, dass Worte es nun zu beschreiben vermögen. Im Strandpaviljoen Kon-Tiki die Beine ausstrecken, zwischen den Zehen der Sand. Nach vorne schauen - und wissen: Das ist der Weg, so kann der Sommer sein.

Zeeland. Ganz unten links: Te koop. Wer möchte?

Und zum Schluss noch ein Dank an alle Sonntagssüßen, die in meiner Abwesenheit so fleißig waren. Ihr seid toll. Wir drei - Katrin, Julie und ich - freuen uns jedes Mal aufs Neue sehr. So geht Sommer auch. 

 Domburgsche Bier en Melksalon * Weststraat 11 // Mondriaans * Weststraat 9 //  Kon-Tiki * Strand Westduin Dishoek 

Kommentare:

  1. Antwerpen wäre kein Ziel auf das ich von selbst kommen würde. Aber deine tolle Beschreibung hat es mir sehr schmackhaft gemacht :)!

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  2. Ein sehr schöner, fernweh weckender und herzlicher Reisebericht! Und deine Gefühle am Meer sind keinesfalls kitschig, sondern ehrlich! Hast du dir etwas von dem Glücksgefühl mit nach Hause nehmen können? glg Helga

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  3. Diese Riesendecke(?) mit Verlauf im Modemuseum beeindruckt mich gerade sehr. Ist die schööön! Hättest du mir die nicht mitbringen können? ;-) Dein Bericht ist grande, deine Fotos auch. Scheint, du hattest tolle Tage! Liebe Grüße.

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  4. Das war was zum Vorfreuen. Ich mache mich Ende August auf. Danke für die geschenkten Momente!
    LG - Anja.

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  5. ein wunderbarer bericht für stadt- und landliebende, dazu ein bisschen meer für süchtige und kleine köstlichkeiten, die bei dir einfach nicht fehlen dürfen.
    so konnte ich ein wenig mitreisen. schön!

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  6. ich muss unbedingt wieder nach antwerpen, nächstes mal gebe ich dir noch einen kulinarischen süß-geheimtipp mit auf den weg... hach ich vermisse die stadt, den dialekt, die viertel, die hölzernen treppen von denen mein opa mir haarklein erzählte, wie sie eingeweiht wurden, die antiquitätenläden, in die mich mein inneneinrichtender onkel mitgenommen hat und die funkelnde diamantenstraße, der wunderhübsche bahnhof und die honigspirale auf dem koffie verkeerd in einem café an der kathedrale... ich bekomme große lust mein köfferchen zu packen! und deine reise hört sich wunderbar an, das freiheitsgefühl auch! Sommer ist toll :)

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  7. im Wind stand ich heute auch...in der Ferne die Berge...nicht weit...mein Heimatweh früher...und die Sonne war auch da...jetzt wieder weg, aber mit deinen Worten wird mir ganz warm ums Herz...heut abend...und ich hab Lust gekriegt aufs "belgische Glück"...;)...merci dafür...und alles Liebe...schön, das du einen so wunderbaren Start ins neue Lebensjahr hattest...Glück auf...aufs Leben...cheers and hugs...i...

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  8. in gedanken war ich mit dir unterwegs ... danke! und alles liebe ...

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  9. ..ich will auch nach antwerpen..sofort! danke für deine bilder und worte..

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  10. ..eine >pina colada< auf das neue Lebensjahr..plop dieser satz kam mir wieder ins gedächnis als der pc gestern schon aus war ..hattest du geburtstag..dann nochmal viel liebe und gutes nachträglich für dich!

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  11. danke für den tollen bericht und die schönen fotos. wieder ein land mehr auf meiner wunschliste, aber dieses jahr gehts noch nach kanada, den sohn besuchen.
    lg

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  12. schön, dass ihr mich quasi begleitet habt :)

    und ja, liebe philuko: diese decke hätte ich nur zu gerne eingepackt. es gab dort noch einen überdimensionalen strickteppich, den hätte ich dir dann ganz selbstlos überlassen ;) bauke knottnerus - für alle interessierten

    und dir susanne, danke für die wünsche :)

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  13. Ach Zeeland ist doch einfach schön - auch bei Regen.
    Dank dir für die schönen Tipps auch für Antwerpen, es lohnt sich anscheindend mal ein Päuschen da einzulegen.
    Willkommen zurück und viele Grüße
    Sabine

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  14. Ich war im Zuge meiner Niederlande-Tour auch einen Tag in Antwerpen, aber leider hat es den ganzen Tag geschüttet wie aus Eimern. Und so klatschnass macht es leider nicht mehr so viel spaß... Aber jetzt weiß ich ja wo ich das nächste mal hin gehen kann wenn ich wieder dort bin und es regnet :)
    Liebe Grüße,
    Janneke

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  15. Das hast du schön geschrieben, liebes Fräulein... und lese ich richtig: ein Schlückchen auf´s neue Lebensjahr??? Herzlichen Glückwunsch nachträglich, besser konntest du den Tag nicht verbringen... Sonnige Grüße

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  16. Kennst Du "Helder" am Vrijdagmarkt? Und "Dille und Kamille", niederländische Küchen- und Tütelütkette in der Vleminckstraat?
    "Marcolini" brauche ich wohl nicht zu erwähnen, bei "Del Rey" gibt es sensationelle Kekse.
    Kommst Du denn wieder zu den "Stockverkoopen" im Oktober?
    Groetjes aus Antwerpen!

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  17. liebe nina, antwerpen..deine feinen bilder und worte lassen mich (ver)trauen :-) und fernweh ja, ganz arg zur zeit..grüße liebe susanne

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    1. ich kann es dir so nachfühlen. ich könnte gerade auch immer wieder los. allerdings brauche ich ziele ohne flieger. island wäre mal ein traum :)

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    2. hast du flugangst..island spukt auch bei mir seit 2 jahren..:-) ich versuche mir rettungsanker wochenenden zu planen. für vorfreude und gespeicherte glücksbilder fürs kopfkino..

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Ich danke - und freue mich :)