Sonntag, 20. Oktober 2013

hagebutte


Es brist in Gedanken.




Eigentlich hatte ich für dieses Jahr genug von aufwendigen Küchenprojekten, aber wie das so ist mit dem >eigentlich<, existiert es eigentlich nicht. Es hat mich wortwörtlich gejuckt - in den Fingern und beim Anblick der Apfel-Rosen-Früchte im Tal. Verführerisch lippenrot mit einem Schuss Orange - und bereits weit gereift - blitzten sie mir an der Hecke entgegen. Ein Augenblicksgespräch später und wochenendmotiviert, mussten sie mit. Hätte ich gewusst, was auf mich wartet, ich hätte es mir sicher überlegt. Wobei das, was später auf mich wartete, phänomenal gut ist. Wirklich. Knappe Ausbeute, aber so lohnend. Hagebuttenmark, Konfitüre, Creme - wie auch immer das heißt, was ich unlängst im schwäbischen >Berliner< kennenlernte, es bleibt lange in Erinnrung. Als (m)ein bester (und seelenheilender) Geschmack.

Aber zur Arbeit: Das ist es. Prozessoptimierung klingt in diesem Fall geschmeidig in meinen Ohren. Ich hätte da so eine Idee. Jedenfalls: Von einem Kilogramm Hagebutten blieben nach dem Entfernen der Blüte, der juckenden Kerne und ebensolchen Härchen mit einem kleinen scharfen Messer (bei mir) 450 Gramm Hälften übrig. So weit, so gut. Wer mag, braust die Schalen anschließend kalt ab, ich jedoch verfrachtete sie gleich in den Topf. Goss mit 150 Milliliter Wasser auf - allgemein: knapp bedeckend. Kochte auf und pürierte mit dem Stab. Strich durch - ein feines Sieb. 

Fing rund 250 Gramm Mark auf, und kochte es erneut blubbernd auf. In meinem Fall mit 70 Gramm Rohrohrzucker (plusminus) für eine angenehm süßweiche Creme. Das hält in dem Verhältnis nicht ewig, aber bei dreieinhalb Gläschen überdauert es angenommen einen Urlaub (also 14 Tage) lang im Kühlschrank. Vorher noch: in sterilisierte (!) Schraubdeckelgläser abfüllen. Ich löffel liebend gerne pur. Oder streiche auf Stuten, Brot und Brötchen, kleckse auf Joghurt. Oder wie heute: spritze Tupfer in das gewölbte Bäuchlein der Madeleine. Auf dem Rücken: Muscheln - die nicht besser zur >Dünenrose< passen könnten. Ich zische ein leises >Ahoi<.

... und weil es an meiner Seite lag, empfehle ich: >Wild kochen<.
Noch mehr: Hageblüten.

Angemerkt: Nächtes Mal würde ich die Butten wohl mit den Kernen kochen und pürieren - und lieber mehrmals sieben oder durch die >Flotte Lotte< drehen. Erfahrungen sind willkommen!

Kommentare:

  1. ich liebe sie seit kindheitstagen!
    die marmelade duftet herrlich und
    der geschmack ist entschädigung genug für zerratschte beine und arme
    denn so frisch gepflückt, ende august, (oder schnell eingefroren und später verarbeitet, den letzten sommergeruch genießend, ist sie doch am besten :)!

    bei uns immer: heckenrosenhagebuttenmarmelade .

    genieß sie!

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ach ja, bei uns immer mit der flotten lotte -
      ich forsche nach dem rezept, wenn du magst!

      Löschen
    2. sehr gerne, alma!
      und ja, ich war spät dran - vielleicht hat es deswegen nicht ganz so unaushaltbar gejuckt? ;)

      Löschen
  2. lange mochte ich kein orange, aber so langsam kommt es wieder und dieses rotorange ist so verlockend schön, so herbst, so wunderbar. danke für diesen farbmoment :)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. habe übrigens dank der muscheln mal wieder in deinen fabelhaften mags gesurft o oo

      Löschen
  3. du hast es gewagt und gewonnen! und ich bin beeindruckt, denn ich habe es einmal versucht und dann mittendrin aufgegeben...lg, nikki

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. haha. ich hatte auch kurz überlegt aufzugeben ;)

      Löschen
  4. Was für leuchtend orangerote Klekse!
    Wäre auch gespannt, ob es mit Kernen machbar ist.

    AntwortenLöschen
  5. in den fingern juckte es mich nicht, beim lesen deines wortgeschmeides ... aber auf der zunge. zu gerne dieses rot. auch wenn es nur ein kleiner tupfer wär. hach!

    AntwortenLöschen
  6. Diese Farbe! Erinnerung an Oma. Nicht die Farbe, aber der Geschmack. Mmh.

    AntwortenLöschen
  7. Uih, das sieht lecker aus.
    Und so viel Vitamin C!
    Ich mag die Farbe.

    AntwortenLöschen
  8. stuten — mir als österreicherin so unvertraut, das wort, wenn nicht für pferde, haha, ob sie s wohl mögen, behagebuttet zu werden?

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. ich lache immer wieder in den tag - oder ist das ein wiehern? ;)

      Löschen
  9. Ohoo, so schön die Farbencreme, Hagebuttenduft in der Nase + Brizzel in den Fingern. Du hast tapfer lohnend durchgehalten!

    AntwortenLöschen
  10. ich kann mich nicht erinnern, sie letztes jahr erst entkernt zu haben, hm... tiefgefroren auf jeden fall, weil wir nicht so lange auf den ersten frost warten wollten, dann denk ich zerdrückt aufgekocht und durchs passiertuch, wobei, das ergibt gelee, kein mus... na, vielleicht hab ich die kerne doch rausgefummelt, denn die härchen gehen bei der flotten lotte mit durch und sind dann in mus/konfitüre ziemlich unangenehm. wie auch immer - herrlich! die farbe, der geschmack!
    lieben gruß
    dania, die ebenfalls über die stuten lachen musste und sich hagebuttenbestrichene pferderücken vorgestellt hat, ha!

    AntwortenLöschen
  11. Erfahrung die Erste in diesem Jahr: gekocht mit allem drin, nur draussen musste das kleine Schwarze weichen. Gekocht, gesiebt, gezuckert war meine Weise. Nur schade, dass so wenig bleibt ...

    AntwortenLöschen
  12. danke dania, danke kathrin: das wollte ich hören ;) die nächste kleckerportion wird also nur noch umgetopft ins sieb! so.

    AntwortenLöschen
  13. so phantastisch und so schön aufwendig. hut ab. der lohn der mühe, sehe ich auf deinen bildern - herrlich köstlich. herzlichen gruß, daniela

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. apropos phantastisch: herzlichen glückwunsch zum sonntagsmädchen!

      Löschen
  14. Hagebutten haben für mich immer etwas märchenhaftes. Es mag am Männlein, das allein im Walde steht, liegen. Genauso klingt für mich das Rezept. Klingen darf es auch weiterhin in Ermangelung der Früchte.

    AntwortenLöschen

Ich danke - und freue mich :)