Dienstag, 31. Juli 2012

feinherb





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Mousse
mit
Muße.


Das muss mit - und ich weg. Sommerpausieren ganz bald. Aber vorher treffen wir uns auf drei Tassen und zwei Gläser. Auf Schokolade mit feinen Luftlöchern, auf Schaum bis zu den Knien. Wir treffen uns unterm Glasdach und löffeln: Stich für Stich. Alles weg. Weg weg weg. Weil weg besser nicht geht als mit feinherber Schokolade und Olivenöl. Die Rezeptur kam mir bereits vor einzwei Jahren (bei >Delicious Days<) unter - oder besser auf die Zunge. Pause. Am vergangenen Wochenende dann, sprach mir die Freundin das Schmelzen erneut ins Ohr. 

Prompt erhitzt.

100 Gramm Schokolade (die momentan liebste für den Alltag: Grand Noir Feinherb mit 55%) hacken und im Wasserbad zum See verschwimmen. Natürlich: Für herbere Herzen geht es immer noch bitterer. Raus aus dem Bad - und 50 Milliliter Olivenöl eingießen, rühren, abkühlen lassen. 2 Eier trennen: Das Weiß mit 25 Gramm Zucker und einer Prise Salz aufschlagen, das Gelb mit 25 Gramm Zucker cremig rotieren. Erst das Gelb ins Braun, dann das Weiß unterheben - und noch mehr Weiß: in Form von geschlagener Sahne (100 Gramm). >Uhlala< singen, am Finger nippen und in zwei Gläser, Schüsseln, Schalen oder eine große füllen. Kühlstellen, am besten über Nacht. Die doppelte Portion für Vier und noch mehr Muße.

Aufkosten, lange davon zehren.  

Bis zur Rückkehr. 

Ich wünsche euch viel - viel Sommer.

Sonntag, 29. Juli 2012

ringe



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Dabei sein ist alles.
Fragezeichen.



Ich war auch eine. Eine, die mitgezaubert hat - mit der Kochzauber-Box. Vor einger Zeit erreichte mich die nette Nachricht, ob ich diese gerne testen möchte. (Regionale) Marktkauffreuden, sensorisches Verlangen, riechen, kosten, ansehen, all' das pendelte auf der Waage mit der Neugier. Am Ende hielt sie neugierig oben an. Zwei Wochen später nahm ich einen wirklich sehr großen Karton in einer noch größeren Umverpackung entgegen. Darin weitere umverpackte Zutaten, und nicht umverpacktes gutaussehendes Obst und Gemüse sowie ein Rezeptheft. Ich hätte es mir ehrlich ein bisschen ökologischer gewünscht. Auch in der Kiste - die zumindest in Ansätzen mit Bio-Qualität erfreute. Mittwoch, Donnerstag, Freitag nun kochte ich drei Gerichte auf den Tisch, die im Ergebnis denen von Juliane ähnelten.

Wirklich kostgut fand ich die Couscousbällchen mit warmen Pfirsichen auf Blattgrün. Die Fertigung der Bällchen mit Zucchini, Möhre, Mozarella erwies sich zwar als heikles Unterfangen, im Geschmack aber fand ich sie für mich neu und schmacksgenehm. Mit zusätzlicher Honigspur auf den Pfirsichen werde ich einen solchen Teller sicherlich noch einmal auftischen. Die Kiste hat mich erfreut (wenn auch nicht überzeugt) und zumindest leidenschaftlich an den Herd gebracht statt nur an den Ofen. Standort- und Perspektivenwechsel, immer ein guter.

Außerdem hat sie noch ein bisschen Schmand dagelassen, der nicht vollständig im Hähnchensud unterging. Und zwar für ein schnell gestrichenes Himbeereis, das genau genommen keines ist. Aber richtig gut schmeckt. Ein Lameng-Rezept aus gefrorenen Beeren in Kombination mit ein paar Löffeln Schmand und einer großen Wolke Puderzucker. Kräftig auf den Schalter des Pürierstabs drücken und schön geschmeidig mixen. Zum Sofortlöffeln, an den sonnigen Tagen des Lebens. Ist auch ein bisschen Zauberei.


Danke an Kochzauber und Stilgeflüster.

Dienstag, 24. Juli 2012

zweimal drei (an tag zwei und drei)


Kleine Geschenke erhalten die Freundschaft - auch zu sich selbst. So schmückt seit gestern ein schwarzer Porzellanball meinen Hals. Schwingt mit ins neue Jahr, das meiner Liebe zu den ungeraden Zahlen mehr als gerecht wird.

Weil's als Reihe irgendwie passt: Eins Eins Eins. Sammlung der 111 besten Magazine international.

Womit habt ihr euch zuletzt begönnt?

Die Kette fertigte Louise Kragh.

Freitag, 20. Juli 2012

kosen


Eine neue Zeit ist angebrochen. Die Zeit der Aprikosen. Das Herz schlägt laut für Kirschen, das Herz schlägt laut für Himbeeren, aber richtig himmelwärts pocht es für die süßen Franzosen. Zum Kosen. Und den Rhabarber noch im Blut, koste ich auch diesmal wieder richtig aus. Und werde dessen auch nicht überdrüssig. Ein bisschen rundherum naschen, dies und das vom Teller ziehen - schön und gut. Aber eigentlich, bin ich beständig. Gerne beständig. Immer an die hohe See, immer in den Regen, immer Schwarz und Weiß, immer in die Pfützen rein. Und dann doch immer: ganz anders. Schwäbische Höhenlagen in Grün. Das Wasser steht drüber. Aber jetzt: immer Aprikosen. Da kommt noch mehr!

Ganz pur die Konfitüre. Fast schon eine Goldkose - nur mit einem Spritzer Zitrone. Mit halben Aprikosenbooten in denen der Sirup so schön schwimmt. Noch nicht einmal Vanille. Das allerdings wären gute begleitende Punkte.

Im Müsli mit Erdbeeren und Berghonigbahnen.

Auf dem Salat zusammen mit schmalen Radieschenrädern. Vorher gewärmt und honiggeschwenkt, nachher Cashewbruch und Schafskäsekrümel. Untendrunter: Raukestreifen.

Habt ihr auch ein >immer<?

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Noch mehr kosen:

Samstag, 14. Juli 2012

mohn und zitrone


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Wäre er noch da,
es wäre ein Vergnügen.

(Zeichnung: Franz Burkhardt)
 

Bevor die Bilder ganz im Dunkel verschwinden, ziehe ich sie doch noch auf den Schirm. Bevor die Bilder sich zu welchen entwickeln, die ich nicht mehr sehen möchte, zeige ich sie einfach. Lang ist es her, doch der Geschmack von Mohn und Zitrone klebt noch leise hinterm Gaumen. Kleine Körnchen in den Zwischenräumen. Ich weiß noch, dass der Kasten einen ordentlichen Guss Joghurt innehatte. Auf den ersten Blick und Biss eine nasse Mitte. Mit ein wenig Geduld und Wartezeit, eine neue Chance. Ein guter Pausenfüller, der nach zwei Tagen in satte zitronige Sphären aufstieg.

Dank Ei- (2) und Zuckerschaum (120 Gramm) im Einklang mit 180 Gramm Mehl und 1/2 Päckchen Backpulver intus. Dank 100 Gramm flüssiger Butter, dem Saft zweier Zitronen (plus Schale), der obligatorischen Prise Salz, 75 Gramm Joghurt natur und ordentlich Mohn: 50 Gramm gemahlen waren das locker. (Achtung: Dadurch wird der Kuchen natürlich kräftig saftig.) In einer papierbekleideten Kastenform knackig ausgebacken bei 40 Minuten und 180 Grad. Später noch begossen mit einem Schwall aus Zitronensaft und Puderzucker. Nach Gefühl. Das gehört schließlich auch zu einem guten Kuchen.

Was wären wir ohne Gefühl.
Was wäre der Sommer ohne Regen.

(Rezeptquelle: The Vegetarian Diaries)

Sonntag, 8. Juli 2012

grün (die zweite) und das glück


Im April war es schon einmal grün. Manches ruft nach Wiederholung - wenn auch unbewusst. Ein grünes Trio und sechsfaches Glück. Genaugenommen eigentlich 23-faches Glück. Aber die Teller sind die Glücksschönsten.

Von vorne.
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Mini-Fenchel. Wie schmale Gesichter mit spitzen Haaren. Eingepflanzt und geerntet auf meinem liebsten Hof. Ganz zarte Fenchelfinger, die ich mit Orangenscheiben, Salz, Pfeffer und Öl im Ofen garte - wie in der Berliner Küche einst gesehen. Perfekte Begleiter zu meinen Backkartoffeln. Und neuerdings auch zu gerösteten Radieschen (In der Tat eine ganz neue Perspektive, liebe stepanini! Vielleicht noch ein bisschen Honig obenauf?). Grünes Gewächs dazwischen. Filigran und leicht zerzaust. An jeder Blüte ein Gedanke.

Die Teller nun: ein Glücksfund im >Sozialkaufhaus<. Handgedreht auf der (Töpfer-)Scheibe. Auf Holz ein wenig rustikal, auf Leinen fast japanisch. Samstagsdauerfreude. Jeder Teller ein bisschen anders. Kratzspuren: manche säubert der Schwamm, manche bleiben. Das Leben auf der Scheibe. Und am Abend: Salat, der Wilde - mit den ersten Stachelbeeren aus dem Tal. Plus meiner neuen Supersoße aus 1 Teelöffel cremigem Blütenhonig, 1 Teelöffel (feinem) Senf, einer Prise Salz und soviel Olivenöl bis eine dickflüssige! Paste entsteht. Für diese Salatportion übrigens das Doppelte. Immer süß. So mag ich es. Und deshalb kam auch an diesem Sonntag ein Stückchen auf den Tisch. 

Immer süß - und immer weiter.

Donnerstag, 5. Juli 2012

sommer

Sonnenstrahlenkännchen von feinedinge gekauft bei Romy Ries. Blütenbutter von Nikki. Porzellanschmuck von The Awesome Project. Tafel im Grünen über Trendtablet (Foto: Elaine Skinner). Kinfolk Magazine Volume 4 über Babyssimo. Stempel Sternbild >Zwillinge< von bastisRIKE über Etsy. Eingelegte Zitronen von Sprouted Kitchen.
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So.


Von allen Seiten besommert mich bewegtes Bild. Obwohl ich kein Sommerfräulein bin, kann ich mich diesem Klang nicht enziehen. Falle in die kollektive Sehnsuchtsrückwärtsstimmung. Lege die Beine hoch und denke an vorvorgestern. Als ich mir auf der Schwäbischen Alb Sommersprossen holte. Mich zurücklehnte in den Moment ohne Netz und doppelten Boden. Den Sommermoment wohl. 

Den Moment, bevor die Sonne zieht. 

Am Sommer liebe ich am meisten den Abend, dann wenn der Sommer leise wird, sich zärtlich in die Nacht einschaukelt. Der Punkt, der krause Herzen glättet. Mit Butter auf der Zunge, Zitronen im Glas und Sternen am Himmel. Sanftkitschig - doch ich kann nicht anders. Dieses eine Mal. 

Chapeau, Sommer.

Bitte bleib ein bisschen - ja?

Sonntag, 1. Juli 2012

der sonntag


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Von der Eins bis zur Eins - und dazwischen: drei Monate Testphase. Drei Monate dem eigenen Sonntagsgefühl nachspüren, zurückgewonnene Freiheit begabeln - und doch nicht dasselbe. Was einst aus einer freudigen Beziehung aus Leidenschaft, aus Wohlgesonnenheit und irgendwie auch dem Gefühl des Bewahrens entstand, nämlich: den Sonntag mit einem Süß zu beleben und zu zelebrieren, ist aus dem persönlichen Rahmen getreten und hat ihn am Ende gesprengt. Die virtuelle Tafel ist gewachsen, in den letzten Monaten ein wenig geschrumpft und ab heute gehört sie wieder ganz in die privaten Räume. Es war ein großes Fest mit euch! Wir sind mehr als glücklich - doch nun wird auch nicht mehr gesammelt. Weder hier noch in unserem zweiten Zuhause. (Was nicht bedeutet, dass sich die Türen schließen, sondern nur, dass der Tisch ein wenig anders bestellt wird.) Ein Danke gebührt euch.  

Weil uns der Gedanke aber so wunderbar gefällt, lassen wir ein kleines Andenken da. Mit Gedanken auf dem Schirm und wenn ihr wollt, auch gedruckt auf Papier. Derweil halten wir das Süß analog weiter aufrecht. Wir denken und schreiben und tüfteln, süßen und säuern auch mal durch. Verknüpfen, verbinden, verspinnen Gedanken, Momente, Rezepte zu Geschichten. Was am Ende aus der Küche kommt, bleibt auch für uns noch ein bisschen offen.

Und: Es bleibt ein großer Traum. Von der weißen Tafel durch die Republik, reich gedeckt und beschenkt durch all die Herzen, die den süßen Takt mit uns teilen.

Nächsten Sommer sehen wir uns wieder.

Und das PDF gibt es mit einem Klick auf >Papier<.

Ja, und Verbloggen ist natürlich weiterhin >erlaubt<, Süßen sowieso, nur gesammelt - das wird eben nicht mehr.