Dienstag, 26. Juni 2012

1-2-3 (und mehr)




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Manieren


Eine Frau, zwei Versuche, drei fotogene Streifen. Alles andere ist Illusion. Und das Mehr liegt in meinem Meer. Schwimmt im Magen. Hurra! Darauf Konfetti. Für den Manieren-Dreh: Zwei Lieblinge vereint. Sophie Ellis Baxtor und Tüll. Sie sprach einst in der >Süddeutschen Zeitung< über Manieren. Seit dem Wochenende steht sie gerahmt im Schlafzimmer. In den Tiefen des Kellers entkramte ich nicht nur einen Rahmen, sondern auch einen Meter Tüll. Überbleibsel meines in die Jahre gekommenen Prinzessinnenrocks, ist Tüll noch heute mein Material der Wahl. Auf der einen Seite die große Liebe zum Leinen. Ursprünglich, rauh, mit Unebenheiten. Auf der anderen Seite der Tüll mit seiner springenden Kraft. Die Balance aus schleierhaft und grazil. Wie ich es mag.

Zurück vom Ausflug - in die Küche. Zwei Versuche für >Shortbread<. Das erste mit tanzenden Himbeerpunkten. Das zweite ganz pur - und besser. Von perfekter mürber Struktur; Reismehl sei Dank. Mit dem richtigen salzigen Maß aus zerriebenen Meeresflocken. (Möchtest Du nochmal, Julie?)

Aus 250 Gramm weicher! Butter, dem Mark einer Vanilleschote, aus 125 Gramm Zucker und einem gestrichenen Teelöffel >Maldon Salt< (im Mörser verfeinert). Schaumig rühren. Dann: sieben. 250 Gramm Weizenmehl (Typ 405) und 125 Gramm Reismehl. Meins ist übrigens von >neuform< aus dem Reformhaus. Zu dicken Flocken kneten, keine Kugel bitte! Anschließend auf ein papierbekleidetes Blech drücken. Wer hat, nutzt einen Mini-Roller. Jetzt: ritzen. Mit einem scharfen Messer Streifen vorschneiden - und löchern, wer mag. Bei vorgeheizten 150 Grad für etwa 50 Minuten in den Ofen schieben. Bitte überwachen - denn Gold, Goldgelb ist die Farbe, die wir wollen. Im heißen Zustand nachstreifen und teilen. In diesem Fall teile ich übrigens ungern.

Ihr hört mich krümeln.

Rezept: Effilee
Shortbread mit Geschichten: Esskultur 
Konfetti: Pugly Pixel

Donnerstag, 21. Juni 2012

chips

Süßkartoffeln(n)
Olivenöl
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Salz
Pfeffer
Farben von Jaipur

Ein wenig kraust es noch. Doch in der Hoffnung, dass kraus und kraus am Ende glatt ergibt, säbelte ich zwei Süßkartoffeln in feine Scheiben. Zum Durchsnacken, Geradebiegen und knusprigen Mutes werden. Das brachte mich so dermaßen schnell auf die Spur, dass ich mich frage, warum das eigentlich so schwer ist mit dem Geradeausgehen. Warum ich immer in dieselben kleinen Löcher trete - am Wegesrand. Das wird mich wohl noch eine Weile beschäftigen ...

Währenddessen aber: Süßkartoffelchips. Wie gesagt als dünne Scheiben von der gewaschenen, aber ungeschälten Knolle. Akkurat und mit Abstand auf ein Blech legen (in meinem Fall sogar drei Bleche!), mit Olivenöl beträufeln, mit frisch gemahlenem Pfeffer berieseln und Fleur de Sel. Obenauf beprisen mit meinen liebsten >Farben von Jaipur<. Zimt ist drin, Nelke, Kardamom und auch ein Hauch Vanille. Bei vorgeheizten 160 Grad für etwa 30 Minuten in den Ofen schieben. Setzt der Kräuseleffekt ein, rausziehen. (Achtung: Erst scheinen die feuchten Chips nicht zu trocknen, doch plötzlich geht's ganz schnell mit der Bräune! Am besten permanent ein Auge auf Chips und Ofen halten, damit kein Sonnenbrand einsetzt. Es ist ein schmaler (Hitze-)Grat.) Auf Krepp knuspertrocknen und anschließend - quasi in einem Atemzug - wegsaugen.

Supergut.

Ihr seid sehr nette Leser übrigens. Jedes Wort zum Wohl.

Sonntag, 17. Juni 2012

das blatt

Bis hierhin und wie weiter.

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Es liegt die Stirn in Falten, das Herz kraust. Irgendetwas fehlt. Der letzte Schritt. Die Angst, das Blatt zu wenden. In der Zwischenzeit knete ich das Brot ohne Kneten. Es fällt - und wird gefangen: von Tuch und Mehl. Ein Probelauf mit feinherber Bruchschokolade, der zumindest eines zeigt: Denken hilft. Die Schokolade obenauf bräunte, nein, schwärzte gut. Aber eine weitere Erkenntnis bleibt: Halb funktioniert zur minimalen Hefeproportion. Halb ausgemahlener Weizen, halb volles Weizenkorn. Gibt einen wunderbaren Herzhaftbiss.

Das alte Leinen taucht ab, verblasst ein wenig und entwickelt in der Maschine neue Stärke. Ein bisschen schleudern täte (mir) wohl gut. Derweil Blätter morgens und zur Sonntagsdrei: Vom Hafer und von der gerösteten Mandel. Auf dem wahrscheinlich letzten Rhabarber der Saison. Auf Bananensüß. In Scheiben geschnitten und schockgefroren, später frierpüriert als Eis. Das Schälen vorher nicht vergessen! Gefrorene Banane mit Schale ergibt ebenfalls ein schwarzes Kleid. Nützt noch für Bananenmilch. >Denken hilft<. Und die Erkenntnis: auf Umwegen zum Ziel. Immerhin, das stimmt versöhnlich. Was außerdem versöhnlich stimmt: Wenn das Blatt am Ende doch gewendet wird. Auf der anderen Seite steht ein Mandeltraum geschrieben - und der Worte mehr. 

Das Herz entkraust sich langsam. Falte um Falte.

Schönso(no).

Sonntag, 10. Juni 2012

rot küsst


... Woche und Sonntag. Der Mohn biegt sich den Erdigen entgegen. Flüchtig. Gesammelte Beeren - von allem noch ein bisschen. Geviertelt im Glas mit Rohrzucker und Sahne, die sich bereits zu Butter gruppiert. Ausgelöffelt. Verbacken als (sehr flache) Scones mit Wellenrand. Nach einem Rezept von smitten kitchen. Ergänzt durch Polenta. Frühstücksfreude mit salziger Butter. 

Außerdem: Rote Frucht am Stiel - zart gesüßt und mit Joghurt. Heute noch ein Stäbchen. Kurze Warmwasserdusche - das Eis schlüpft aus der Form. Kurze Warmwasserdusche, ich wage mich ins spärliche Sonnenlicht. Willkommen Tag. Willkommen ihr. 

Welche Farbe darf es heute bei euch sein?

Donnerstag, 7. Juni 2012

post(karten)




Warum es so viele Bücher gibt?
Weil all jene, die schreiben, ebenso auf der Suche sind, 
wie Du und ich und wir. 
Darum!
Dries van Noten :: Dirk van Saene :: Peter Lindbergh


Buchstaben und Worte begleiten mich - gefühlt ein Leben lang. Koffer voller Briefe und Gefühle wohnen bei mir. Echte Gefühlskoffer. Für das Öffnen braucht es Muße und auch die richtige Stimmung. >Klick Klack< machen die Schnallen. Ein Meer, das vor mir liegt. Die Post reist immer mit. Und weil Feiertagen immer auch irgendwie ein Rückwärtsgang innewohnt, und weil Frau Heuberg in ihrer One Week ... One Collection nach (den liebsten) Karten fragt, habe ich einfach mal mit Muße den Deckel aufgeklappt.

Ihr seht: das Schwarz, die Nordsee, die Mode, das Leben, die Natur und das Herz. Eine schöne Handschrift (von Ruth Gimpel *) dazu. Und die Nachfolger des Rhabarbers: Erdbeeren. Ein neuer Versuch nach Jahren. Der Sehnsucht nachgegeben, (noch) kein Kribbeln im Mund. Hier an gepfeffertem Ziegenkäsetörtchen mit Karamellkruste. Geschaukelt in Feigenessig. Ein bisschen Rhabarber hat sich noch als Kompott darunter geschummelt. Der begleitet mich eben auch - gefühlt ein Leben lang.

Euer Lebensbegleiter - gibt es den?

* erhältlich über zierratundgold

Dienstag, 5. Juni 2012

wipferl


Siruprührer, Nadelpflücker, Wipfelduftatmer - hier ist etwas für euch. Saft aus grünen Nadeln. Maiwipferlflüssigkeit. Angesteckt von Cousines Nadelbaumliebe hangelte ich mich hoch zu Nachbars Fichte und knipste mit Erlaubnis! die jungen Triebe ab. Drei Hände voll für eine Tulpe voll. Für den Geschmack des Waldes, für ein bischen Gold am Frühstückstisch. Ein Spiegel und doch nicht durchschaubar ist die große Pfütze. Gefällt.

Mittlerweile ist der Juni unter uns und die Triebe sind vorangegrünt. Gerade eben vergewisserte ich mich, ob ihr sie noch abstreifen könnt, denn nur aus den wirklich jungen Spitzen, lässt sich Gold gewinnen. Noch geht's! Und wie das hier geht, sei ebenfalls verraten: Drei Hände Grün braucht es. Kurz duschen und dann ab in einen Topf, knapp mit Wasser bedecken. Aufkochen - die Drei ist auch diesmal die Zahl. Dreimal hoch und runter, bis die Spitzen erblassen und ein milchiger Sud entsteht. Dann wieder die Drei: Drei Tage an einem kühlen Ort stehen lassen (bedeckt und inklusive der Spitzen). Anschließend abseihen, Flüssigkeit fangen und abmessen. Mit Kandiszucker einköcheln: 1:1. Am besten mit braunem, das verstärkt die schöne Farbe. 30 Minuten mindestens, durchaus auch länger, bis es sirupartig wird. Heiß in (sterilisierte) Gläser abfüllen.

Schmeckt auf Müsli, schmeckt zum Streifen, schmeckt auf >Vinschgauer Fladen<. Schmeckt von Fichte oder Tanne. Erinnert an Hustenarznei im schlechtesten Fall, im besten einfach nur an Wald und Freiheit.